Soja – die Wunderbohne
«Abholzung in Brasilien! Gentechnische Veränderung! Gefährlicher Eingriff in das Hormonsystem!»
Solche Aussagen über Soja sind weit verbreitet und nicht völlig unbegründet — dennoch lohnt es sich, das Thema differenziert zu betrachten.
Importiertes Soja, für dessen Anbau Regenwälder — insbesondere im Amazonasgebiet — gerodet werden, wird überwiegend als Tierfutter verwendet. Weltweit sind rund drei Viertel des Futtermittel-Sojas gentechnisch verändert, was in Europa glücklicherweise verboten ist. Die hier erhältlichen Sojalebensmittel basieren auf in Europa angebauten Sojabohnen, sind somit gentechnikfrei und stammen häufig aus biologischem Anbau. Zudem ist Soja eine hervorragende Pflanze für die Fruchtfolge, da sie den Boden anreichert. Als Hülsenfrucht benötigt sie keine Düngung, da sie mithilfe von Bodenbakterien selbst Stickstoff produzieren kann und so die Bodenqualität verbessert.
Auch in der asiatischen Küche hat Soja eine lange Tradition. Beispiele dafür sind Sojasaucen aus China, Tempeh aus Indonesien oder Natto aus Japan. Mit dem Aufkommen vegetarischer Ernährungsweisen seit den 1970er-Jahren haben Sojaprodukte weltweit an Bedeutung gewonnen. Heute erfreuen sich sowohl herzhafte als auch süsse Sojaprodukte grosser Beliebtheit.
Wichtig ist jedoch: Stark verarbeitete Sojaprodukte mit Konservierungsstoffen und weiteren Zusatzstoffen sind nicht empfehlenswert. Als gesundheitlich wertvoll gelten vor allem wenig verarbeitete oder unverarbeitete Sojaprodukte, insbesondere fermentierte Varianten.
Sojabohnen zeichnen sich durch eine aussergewöhnlich hohe Nährstoffdichte aus. Dank ihres hohen Eiweissgehalts und ihres moderaten Fettanteils sättigen sie gut und sind gleichzeitig kohlenhydratarm. Zudem sind sie reich an Eisen, Kalzium, Magnesium, Kalium sowie an B-Vitaminen. Darüber hinaus enthält Soja sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften.
Soja enthält keine «echten» Hormone, sondern sogenannte Phytoöstrogene (wie Isoflavone). Diese pflanzlichen Substanzen wirken regulierend und tragen dazu bei, die hormonelle Aktivität auszugleichen, ohne direkt in das Hormonsystem einzugreifen. Der Konsum von Soja in üblichen Mengen gilt als unbedenklich. Es werden zudem krebshemmende Eigenschaften beschrieben, ebenso wie eine mögliche Linderung von Wechseljahresbeschwerden und eine Reduktion des Osteoporoserisikos.
Die kulinarische Vielfalt der Sojabohne
Edamame: Frische oder gefrorene Sojabohnen, ideal als Snack, in Bowls oder mit Gemüse
Natto: Fermentierte Sojabohnen, ein traditionelles japanisches Superfood
Okara: Der Pressrückstand aus der Herstellung von Sojamilch, der mariniert und wie Tofu verwendet werden kann
Tofu: Das bekannteste Sojaprodukt, hergestellt durch Gerinnung von Sojamilch, ähnlich der Käseproduktion
Tempeh: Ursprünglich aus Indonesien, durch Fermentation mit Edelschimmel hergestellt und besonders nährstoffreich
Sojasauce: Eine bekannte fermentierte Würzsauce aus China, glutenfrei oder mit Getreide erhältlich
Miso: Fermentierte Sojapaste, verwendet als Würzmittel oder traditionell als Suppe, etwa in Ramen, mit charakteristischem Umami-Geschmack